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In der Köderbox eines ambitionierten Raubfischanglers findet man auch Köder, von dem viele annehmen, sie seien eine erst wenige Jahre alte Entwicklung aus den Vereinigten Staaten:

Spinnerbaits

Das ist das erste Vorurteil, das ausgeräumt werden muss: Die Spinnerbaits feiern im Jahr 2011 ihren 60igsten Geburtstag.
Ein weiteres Vorurteil, das insbesondere im deutschsprachigen Raum beheimatet ist - wohl durch entsprechende Aussagen in der Werbung, ist ebenso falsch: Spinnerbaits sind nicht nur Hechtköder, sie sind universelle Raubfischköder. Man kann  mit ihnen alles fangen, was  sich irgendwie räuberisch ernährt: Hecht, Barsch, Zander, Rapfen, Döbel, Forelle und Wels lassen sich damit verführen.

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Und ein drittes Vorurteil ist ebenso falsch: Spinnerbait sind nicht nur reine Krautköder. Sie fangen auch im Freiwasser und am Grund.
Natürlich sind sie auf Grund ihrer Konstruktion bestens dafür geeignet, an Stellen zu fischen, an denen andere Köder schnell an einen Hindernis hängen bleiben und deren Platz in der Köderbox am Ende des Angeltages leer bleibt.

Spinnerbaits
Eine kleine Auswahl verschiedener Spinnerbaits

Bei einem konventionellen Spinner sitzen Spinnerblatt, Gewicht und Haken auf einer einzigen Achse, bei einem Spinnerbait sitzen Spinnerblatt/Spinnerblätter und Gewicht und Haken auf zwei Achsen. Der Haken tragende Teil des Spinnerbait erinnert an einen Jigkopf, wobei der Bleikopf in der Regel an einen kleinen Fischkopf erinnert und als solcher geformt  und lackiert ist. Anders als bei einem Jigkopf befindet sich keine Öse daran, sondern ein einige Zentimeter langer Stahldraht, der dann in einem annähernd rechten Winkel als so genannter Bügel nach oben abknickt. Der Bügel ist der das Spinnerblatt tragende Teil des Köders. Der Bügel ist der im Wasser oben liegende Teil des Spinnerbaits, die Hakenspitze liegt im Inneren des Winkels zwischen Bügel und Kopfteil und ist somit recht gut vor Hängern an Unterwasserhindernissen geschützt.

Ein typisches Bestandteil eines Spinnerbaits ist der "Rock", das skirt, ein Bündel Silikonfäden, die es in den verschiedensten Farbschattierungen gibt. Das skirt wird am Kopf befestigt und  umspielt den Haken. Je nach dem, wie man einen Spinnerbait führt, sehen die Silikonfäden aus wie der Körper eines kleinen Fischchens oder sie blähen sich aufreizend auf. Das skirt ist der Teil eines Spinnerbait, der am ehestens einmal ersetzt werden muss. Wenn sich ein anständiger Hecht oder ein Wels mit dem Spinnerbait auseinander gesetzt hat, sieht das skirt schon mal ziemlich zerzaust aus und hat einiges an Substanz verloren. Aber das Ersetzen des skirt ist keine Kunst.

skirt
Skirts bestehen aus einer Viezahl farbiger Silikonfäden

Große Bedeutung kommt beim Spinnerbait natürlich dem "blade" oder den "blades", dem Spinnerblatt/ den Spinnerblättern zu. Es gibt verschiedene Ansichten, warum ein Spinnerbait Fische fängt. Ob ein Räuber tatsächlich annimmt, ein Fisch (der Körper des Spinnerbait) würde andere kleine Fische (die Blätter) verfolgen und dadurch würde Futterneid ausgelöst, oder der Räuber will sich eine Gruppe von kleinen Fischchen einverleiben, keine Ahnung. Fakt ist, die Spinnerblätter sind ein starker optischer Reiz und über die kräftigen Vibrationen wird das Seitenlinienorgan angesprochen.

Es werden zwei grundsätzliche Typen von Spinnerblättern verbaut: die eher länglich schmalen Willowblades (Weidenblatt) und die eher rundlichen Spinnerblätter (Colorado, Indiana u.ä.).
Die Willowblades haben etwas geringeren Wiederstand und damit ausgerüstete Spinnerbaits sinken deshalb im Vergleich zu solchen mit rundlichen Blättern bei sonst gleichen Vorraussetzungen tiefer ab. Und sie erzeugen etwas feinere Vibrationenen. Die meisten Spinnerblätter haben eine glatte Oberfläche, es gibt sie aber auch mit strukturierten Oberflächen (geprägt, gehämmert). Ob die unterschiedlichen Oberflächen einen Einfluss auf die Fängigkeit haben, darüber soll hier kein Urteil abgegeben werden.

Ein Einfluß auf die Fängigkeit eines Spinnerbaits hat aber sicher die Farbe der Spinnerblätter. Hauptsächlich sieht man silberne und goldene / messingfarbene Spinnerblätter, aber es gibt auch eine Vielzahl von Farbdesigns auf dem Markt. Man liest, wie bei anderen Ködern auch, immer wieder mal "Regeln", welche man bei der Farbauswahl beachten soll. Aber die anglerische Realität lehrt uns, dass es viele Ausnahmen von Regeln gibt. An einem sonnigen Tag im klaren Wasser kann der grell blitzende silberne Spinnerbait genau der sein, der den Hecht zum Anbiss reizt, am nächsten Tag bei gleichem Wetter flüchten die Hechte beim Anblick des gleichen Spinnerbaits, stürzen sich aber auf den mit den schwarz lackierten Spinnerblättern.

Der größte Teil der Spinnerbaits hat ein oder zwei Spinnerblätter, es gibt aber auch solche mit drei und mehr.  Das dem Knick /der Öse des Bügels näher gelegene ist in der Regel das kleinere, das am Ende des Bügels ist das größere Spinnerblatt, bei manchen Spinnerbaits sind beide gleich groß. Wenn man sich das Angebot anschaut, sieht man bei den zweiblättrigen Spinnerbait alle möglichen Kombinationen: zwei Willowblades, zwei Colorado-Blätter, ein kleines Colorado und ein großes Willow-blade usw. Das auf der Achse laufende Spinnerblatt ist genau so befestigt wie bei einem handelsüblichen Spinner. Man muss hier darauf achten, dass das untere Blatt richtig herum montiert ist, sonst dreht es sich nicht (die Wölbung muss nach aussen zeigen, wenn man das Spinnerblatt in Richtung Bügelende hält). Das obere Spinnerblatt ist mit einem Wirbel und kleinen Sprengringen an der Achse befestigt. Hier darf nicht gespart werden. Man muss beim Kauf darauf achten, das dieser Wirbel ein kugelgelagerter ist. Mit einfachen (billigen) Wirbeln wird man nicht lange Freude an diesem Spinnerbait haben. Ein gut gebauter Spinnerbait ( gute Bauteile, richtige Kombination von Blattform und -größe und Gewicht) fängt schon nach dem Auftreffen auf dem Wasser an, seine verführerische Aktion auszuführen. Oft gibt es schon in dieser Phase heftige Attacken.

Ein besondere Bauart sind die so genannten Buzzbaits. Hier läuft der Bügel nicht in einem 90-Grad-Winkel zum Haken, sondern es gibt einen zweiten Winkel, so dass der Bügel nahezu parallel zum Haken läuft. Und auf dem Bügel befindet sich kein Spinnerblatt sondern eine Art Propeller. Dieser Köder wird an der Wasseroberfläche geführt und Propller wühlt die Wasseroberfläche auf und macht einen ziemlichen Radau. Im Prinzip also der Popper unter den Spinnerbaits.

buzzbait
Buzzbait

Die Größe der auf dem Markt angebotenenen Spinnerbaits reicht von wenigen Zentimetern bei einem Gewicht von 3-5 g bis zu einer Größe von 20 cm mit einem Gewicht von bis zu 60 g.

Pimp your spinnerbait

Natürlich kann man auch an Spinnerbaits Veränderungen vornehmen, um vielleicht die Fängigkeit zu erhöhen. Am häufigsten werden dazu wohl so genannte Trailer eingesetzt. Bei den Trailern handelt es sich um einen zusätzlichen Reiz, zum Beispiel in Form eines Gummifisches oder Wurms, der auf den Haken aufgezogen wird.

Trailer
Allerlei verschiedene Gummis werden als Trailer eingesetzt

Hat man den Eindruck, dass man viele Fehlbisse hat, weil der Haken nicht greift, kann man einen so genannten trailer-hook montieren. Dabei handelt es sich um einen Haken mit einem großen Öhr, der auf den Haken des Spinnerbait aufgezogen und zum Beispiel mit einem Stück Schlauch gegen Abrutschen gesichert wird.

Manchmal ist es auch sinnvoll, sich als "Schneider" zu betätigen und einen Minirock herzustellen. Insbesondere wenn man Barschen gezielt nachstellt, kann es sein, dass man zwar Fischkontakte hat, die Fische aber nicht hakt. Das kann daran liegen, dass die Fäden des skirt zu lang sind. Dann kann es hilfreich sein, das skirt etwas einzukürzen.

Und schließlich ist es natürlich auch möglich, die Farbe der Spinnerblätter zu verändern. Das geht dauerhaft zu Hause zum Beispiel mit der Farbsprühdose. Für das schnelle Tuning am Wasser sind aber auch wasserfeste Faserstifte hilfreich. Mancher hat die aromatisierten Stifte für die Gummiköder eh in seiner Tackletasche.

Bei den Spinnerbaits, bei denen die Öse zum Einhängen des Snaps offen und nicht geschlossen gestaltet ist, hat man häufiger das Problem, dass der Einhänger beim Auswerfen auf dem Bügel verrutscht und der Spinnerbait dann nicht richtig arbeitet. Dagegen hilft ein kleines Stückchen Schlauch, das man vor dem Einhängen über die Öse zieht. Hat man am Wasser grade keinen kleinen Schlauch zur Hand, kann man die Öse behelfsmäßig auch mit einem Stück Geflochtener "abbinden".

snapsicherung
Ein Stück Schlauch verhindert das Verrutschen des Einhängers

Beim Auswerfen kann sich der Spinnerbait auch einmal überschlagen und das Vorfach wickelt sich um den Bügel. Dann startet der Spinnerbait beim Einholen nicht, man spürt nicht die üblichen Vibrationen. Hier kann es hilfreich sein, den Spinnerbait einfach noch mal durchsinken zu lassen und dann ein wenig zu "twitchen" bis man merkt das er arbeitet. So kann man manchen "Fehlwurf" doch noch ausfischen.

Hat ein anständiger Fisch einen guten Drill geliefert, so sieht der Spinnerbait anschließend aus wie  ein Regenschirm, der bei Windstärke 8 geöffnet wurde: völlig verbogen und zerrupft. Dann muss man dem Spinnerbait ein wenig Zuwendung zukommen lassen und ihn wieder zurecht biegen. Bügel und Haken müssen in einer Ebene liegen, sonst läuft der Köder nicht mehr vernünftig, der Winkel des Bügels muss so eingestellt werden, dass das Spinnerblatt/die Spinnerblätter wieder richtig laufen.

Natürlich kann man mit einem Spinnerbait an Stellen fischen, an denen man mit einem Jerk oder Wobbler verzweifeln würde. Seerosenfelder und Krautbänke sind sein Revier. Und auch wenn durch die Konstruktion nicht so viel an dem Spinnerbait hängen bleibt wie an den Drillingen eines Wobblers, das ein oder andere Stück Kraut landet man doch an. Die großen Pflanzenstücke lassen sich leicht entfernen. Extrem ärgerlich aber sind die feinen Algenfäden. Die werden von den Spinnerblättern einfangen und schön säuberlich aufgewickelt. Und diesen Beifang muss man peinlich genau wieder entfernen, besonders von den rotierenden Teilen, damit der Köder beim nächsten Wurf wieder anständig arbeitet.

Viel Spaß und Erfolg beim Ausprobieren wünscht

Looser